So ist die gestreckte Abschlussprüfung aufgebaut
In den meisten Industrieberufen ist die Abschlussprüfung in zwei Teile gestreckt. Am Beispiel Industriemechaniker:
| Prüfungsteil | Wann | Anteil an der Endnote | Was geprüft wird |
|---|---|---|---|
| Teil 1 | vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres | 40 % | Komplexe Arbeitsaufgabe mit Gesprächsphasen und schriftlichen Aufgaben von höchstens 90 Minuten (§ 13 IndMetAusbV) |
| Teil 2, Arbeitsauftrag | am Ende der Ausbildung | 50 % von Teil 2 | betrieblicher Auftrag oder praktische Arbeitsaufgabe mit Fachgespräch |
| Teil 2, Auftrags- und Funktionsanalyse | am Ende der Ausbildung | 20 % von Teil 2 | schriftlich, höchstens 120 Minuten |
| Teil 2, Fertigungstechnik | am Ende der Ausbildung | 20 % von Teil 2 | schriftlich, höchstens 120 Minuten |
| Teil 2, Wirtschafts- und Sozialkunde | am Ende der Ausbildung | 10 % von Teil 2 | schriftlich, höchstens 60 Minuten |
Quelle: §§ 13, 14, 27 IndMetAusbV. Für andere Berufe stehen die Werte in der jeweiligen Ausbildungsordnung; bei Industriekaufleuten zählt Teil 1 zum Beispiel 25 Prozent (§ 14 IndKflAusbV).
Drei Folgen für Ihre Planung:
- Teil 1 ist die erste echte Hürde. Er lässt sich nicht für sich wiederholen (§ 37 BBiG). Was dort fehlt, muss Teil 2 ausgleichen.
- Die schriftlichen Bereiche von Teil 2 werden zusammen bewertet. Bestanden ist nur, wer dort insgesamt ausreichend ist. Dazu muss er in zwei der drei Bereiche mindestens ausreichend sein und darf im dritten nicht ungenügend sein (§ 27 Abs. 4 IndMetAusbV). Ein schwacher Bereich lässt sich ausgleichen, ein ungenügender nicht.
- Den Arbeitsauftrag in Teil 2 wählen Sie. Der Ausbildungsbetrieb entscheidet zwischen betrieblichem Auftrag und praktischer Arbeitsaufgabe und meldet die Wahl mit der Anmeldung (§ 14 Abs. 5 IndMetAusbV).
Bei Berufen mit Zwischenprüfung, etwa der Fachkraft für Lagerlogistik, zählt die Zwischenprüfung nicht zur Note. Sie zeigt Ihnen aber früh, wo Ihr Azubi steht.
Wie viele Azubis die Abschlussprüfung bestehen
Die Berufsbildungsstatistik erfasst jede Teilnahme an einer Abschlussprüfung. Der BIBB-Datenreport 2026 wertet das Berichtsjahr 2024 aus (Tabelle A5.7-4):
| Prüfungsversuch, Industrie und Handel, 2024 | Teilnahmen | bestanden |
|---|---|---|
| erste Abschlussprüfung | 212.556 | 92,3 % |
| erste Wiederholungsprüfung | 13.032 | 66,6 % |
| zweite Wiederholungsprüfung | 2.736 | 52,7 % |
Über alle Zuständigkeitsbereiche bestanden 2024 91,0 Prozent der Prüfungsteilnehmer die Abschlussprüfung. Wer auch die zweite Wiederholung nicht besteht, hat keinen weiteren Versuch; 2024 betraf das 2.607 Personen oder 0,7 Prozent.
Eine Grenze der Zahlen nennt das BIBB selbst: Erfasst ist nur, wer zur Prüfung antritt. Wer die Ausbildung vorher abbricht oder sich nicht anmeldet, fehlt.
Für Ihre Planung heißt das: Die erste Prüfung ist die beste Chance. Nach einem Durchfallen sinkt die Quote deutlich.
Wo Azubis in der schriftlichen Prüfung Punkte verlieren
Eine Statistik, an welchen Aufgaben Prüflinge scheitern, veröffentlichen weder IHK noch BIBB. Die folgenden Lücken sehen wir in Berufsschule und Prüfungsvorbereitung bei ErfolgsAzubi immer wieder. Es sind Lücken im Handwerkszeug, mit dem Fachwissen unter Zeitdruck angewendet wird.
| Lücke | Woran Sie es merken | Was hilft |
|---|---|---|
| Formeln umstellen | Ihr Azubi kann die Schnittgeschwindigkeit ausrechnen, aber nicht die Drehzahl aus derselben Formel. | Jede Woche drei Aufgaben, bei denen die gesuchte Größe wechselt |
| Einheiten | Millimeter und Meter, Minuten und Sekunden werden gemischt, das Ergebnis ist um den Faktor 1.000 falsch. | Einheiten in jeder Zeile mitschreiben, Ergebnis auf Plausibilität prüfen |
| Tabellenbuch | Er weiß, dass der Wert drinsteht, sucht aber fünf Minuten danach. | Mit genau dem Buch üben, das in der Prüfung zugelassen ist, auch im Betrieb |
| Zeichnung lesen | Toleranzen, Passungen wie H7/g6 und Oberflächenangaben werden überlesen. | Aufträge aus dem eigenen Betrieb mit Zeichnung besprechen |
| Aufgabentext | Bei Auswahlaufgaben wird die erste passende Antwort angekreuzt, ohne die übrigen zu lesen. | Jede Antwortmöglichkeit begründen lassen, warum sie falsch ist |
| Zeit | Er bleibt an einer schweren Aufgabe hängen und schafft die letzten nicht. | Übungsprüfungen mit Uhr; schwere Aufgaben markieren, weitermachen, später zurückkehren |
Formelumstellung und Tabellenbuch kosten in Teil 1 und in Teil 2 Punkte. Wer sie im ersten Jahr beherrscht, gewinnt in jeder späteren Rechenaufgabe Zeit.
Was Sie als Betrieb tun können
Berufsschule und Betrieb fördern die Kompetenzen, die die Prüfung verlangt. Ob Ihr Azubi sie in der Prüfung zeigen kann, hängt auch davon ab, was im Betrieb passiert. Ein Plan über die Ausbildung:
- In den ersten Wochen: Kurzer Eingangstest mit Dreisatz, Prozentrechnung, Bruchrechnung und Formelumstellung. Er zeigt Ihnen, wo Sie ansetzen müssen. Händigen Sie das Tabellenbuch aus, das in der Prüfung zugelassen ist.
- Im ersten und zweiten Jahr: Eine feste Lernzeit je Woche während der Ausbildungszeit, mit Aufgaben aus dem laufenden Lernfeld der Berufsschule. Unsere Empfehlung ist eine halbe Stunde an einem festen Tag, weil eine kurze, regelmäßige Einheit eher stattfindet als ein langer Block, der der Produktion im Weg steht. Fragen Sie in der Woche danach eine Aufgabe ab.
- Laufend: Ausbildungsnachweise regelmäßig durchsehen (§ 14 Abs. 2 BBiG). Ohne vorgelegten Ausbildungsnachweis wird Ihr Azubi nicht zur Abschlussprüfung zugelassen (§ 43 BBiG).
- Vor Teil 1: Unsere Empfehlung: drei Monate vorher beginnen, damit nach der ersten Auswertung noch Zeit für die schwachen Themen bleibt. Übungsprüfungen mit alten oder vergleichbaren Aufgaben, unter echter Zeit und nur mit den zugelassenen Hilfsmitteln. Werten Sie nach Themen aus: Wo gehen die Punkte verloren?
- Vor der Prüfung: Freistellung am Arbeitstag vor der schriftlichen Prüfung (§ 15 BBiG). Klären Sie, welche Hilfsmittel erlaubt sind und ob Ihr Azubi den Taschenrechner kennt, den er mitnimmt.
- Nach Teil 1: Lassen Sie sich die Ergebnisse geben. Ausbildende bekommen sie auf Verlangen übermittelt (§ 37 Abs. 2 BBiG). Planen Sie die Vorbereitung auf Teil 2 nach den schwachen Bereichen.
- Vor Teil 2: Variante des Arbeitsauftrags festlegen und das Fachgespräch üben. Ihr Azubi soll in eigenen Worten erklären, warum er wie vorgegangen ist.
Wenn ein Azubi durchgefallen ist
Die Abschlussprüfung kann zweimal wiederholt werden (§ 37 Abs. 1 BBiG). Verlangt Ihr Azubi es, verlängert sich die Ausbildung bis zur nächsten Wiederholungsprüfung, höchstens um ein Jahr (§ 21 Abs. 3 BBiG).
So gehen Sie vor:
- Ergebnis je Prüfungsbereich ansehen. Woran ist es gescheitert: am Arbeitsauftrag, an einem schriftlichen Bereich oder am Gesamtergebnis?
- Mündliche Ergänzungsprüfung prüfen. In den schriftlichen Bereichen kann eine mündliche Ergänzungsprüfung stattfinden, wenn sie für das Bestehen den Ausschlag geben kann. Sie findet auf Antrag des Prüflings oder nach Ermessen des Prüfungsausschusses statt. Bisheriges Ergebnis und mündliche Prüfung zählen im Verhältnis 2 : 1 (§ 27 Abs. 5 IndMetAusbV).
- Lücken nach Themen auflisten und einen Wochenplan bis zum nächsten Termin machen.
- Bis zur Wiederholung üben, nicht nur warten. Die Erfolgsquote der ersten Wiederholung liegt in Industrie und Handel bei 66,6 Prozent (BIBB-Datenreport 2026). Ohne Plan bis zum nächsten Termin ist der zweite Versuch keine sichere Sache.
Wie ErfolgsAzubi die Vorbereitung ab dem ersten Tag übernimmt
Wenn im Betrieb niemand Zeit hat, jede Woche Mathe zu üben und Übungsprüfungen auszuwerten, übernimmt diesen Teil die ErfolgsAzubi Academy. azubi-recruiting.de ist ein gemeinsames Angebot von ErfolgsAzubi und der evocontec GmbH.
So arbeitet die Lernplattform:
- Lücken ab dem ersten Tag: Die Lernplattform zeigt früh, wo Ihr Azubi Lücken hat, etwa in Mathe, beim Umstellen von Formeln oder beim Lesen von Zeichnungen.
- Selbstständig schließen: Ihr Azubi arbeitet die Lücken mit kurzen Übungen allein auf. Ihr Ausbilder muss keine Nachhilfe geben.
- Prüfungssimulation: Bis zur IHK-Prüfung übt Ihr Azubi mit Aufgaben auf Prüfungsniveau, aufgebaut wie die echte Prüfung, unter Zeit.
- Lernstand für den Ausbilder: Ihr Ausbilder sieht in einem eigenen Dashboard, wo Ihr Azubi steht, und nicht erst mit dem Ergebnis von Teil 1.
Das gilt für 32 Ausbildungsberufe der Industrie, von Metall und Elektro über Kunststoff und Chemie bis zu kaufmännischen Berufen und Lagerlogistik. Für jeden Azubi, den wir über azubi-recruiting.de für Sie finden, ist die Prüfungsvorbereitung bei ErfolgsAzubi inklusive. Mehr dazu auf der Seite der ErfolgsAzubi Academy für Unternehmen.
Häufige Fragen
Wie bereite ich Azubis auf die IHK-Prüfung vor?
Lassen Sie Ihren Azubi in den ersten Wochen einen Eingangstest in Mathe und Formeln machen und schließen Sie die Lücken früh. Planen Sie eine feste Lernzeit je Woche ein und üben Sie ab etwa drei Monaten vor Teil 1 mit Prüfungsaufgaben unter echter Zeit und mit dem zugelassenen Tabellenbuch. Werten Sie jede Übungsprüfung nach Themen aus, nicht nur nach Punkten.
Wann sollte die Prüfungsvorbereitung beginnen?
Im ersten Ausbildungsjahr. Teil 1 der gestreckten Abschlussprüfung findet bei den industriellen Metallberufen vor dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt und prüft die Qualifikationen der ersten anderthalb Jahre (§ 13 IndMetAusbV). Wer erst zwei Monate vorher beginnt, hat für Grundlagen wie Formelumstellung keine Zeit mehr.
Kann man Teil 1 der Abschlussprüfung wiederholen?
Nein, nicht eigenständig. Teil 1 und Teil 2 bilden zusammen die Abschlussprüfung (§ 37 BBiG). Fällt der Azubi insgesamt durch, kann er die Abschlussprüfung zweimal wiederholen; das Ergebnis von Teil 1 lässt sich nicht für sich verbessern.
Wie viele Azubis bestehen die Abschlussprüfung?
In Industrie und Handel bestanden 2024 im ersten Versuch 92,3 Prozent der Prüfungsteilnehmer. In der ersten Wiederholungsprüfung waren es 66,6 Prozent, in der zweiten 52,7 Prozent (BIBB-Datenreport 2026). Wer vor der Prüfung abbricht, ist in diesen Zahlen nicht enthalten.
Was passiert, wenn ein Azubi durchgefallen ist?
Auf seinen Wunsch verlängert sich die Ausbildung bis zur nächsten Wiederholungsprüfung, höchstens um ein Jahr (§ 21 Abs. 3 BBiG). Die Prüfung kann zweimal wiederholt werden. Gehen Sie mit ihm das Ergebnis je Prüfungsbereich durch und planen Sie die Zeit bis zum nächsten Termin nach seinen Lücken.
Muss der Betrieb das Tabellenbuch bezahlen?
Der Betrieb muss Fachliteratur kostenlos stellen, die für die Ausbildung und für Zwischen- und Abschlussprüfungen erforderlich ist (§ 14 Abs. 1 Nr. 3 BBiG). Ist ein Tabellenbuch in der Prüfung als Hilfsmittel zugelassen, sollte Ihr Azubi deshalb ein eigenes vom Betrieb haben. Welche Ausgabe zugelassen ist, sagt Ihre IHK.

Über den Autor
Christoph HöllerIHK-Prüfer seit 2019 · Berufsschullehrer · Gründer der ErfolgsAzubi Academy
Christoph Höller hat Industriemechaniker gelernt, 2016 als Jahrgangsbester bei der IHK Köln abgeschlossen und danach Wirtschaftsingenieurwesen an der TH Köln studiert (B.Eng.). Seit 2019 sitzt er im IHK-Prüfungsausschuss für Industriemechaniker, heute unterrichtet er am Berufskolleg und studiert berufsbegleitend Lehramt an der RWTH Aachen. Er hat die ErfolgsAzubi Academy gegründet, mit der sich über 3.700 Azubis auf ihre Prüfung vorbereitet haben, und sechs Bücher zur Ausbildung geschrieben.
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Verwandte Fragen
Quellen
Alle aufgerufen am 27. Oktober 2026.
- Berufsbildungsgesetz (BBiG), §§ 14, 15, 21, 37, 43
- Verordnung über die Berufsausbildung in den industriellen Metallberufen (IndMetAusbV), §§ 13, 14, 27
- Industriekaufleuteausbildungsverordnung (IndKflAusbV), § 14
- BIBB, Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2026, Kapitel A5.7 Abschlussprüfungen und Prüfungserfolg, Tabelle A5.7-4
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