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Ausbildungsstart 2027: Die Bewerbersaison läuft – wer jetzt startet, erreicht die Schüler, bevor sie woanders zusagen.Ausbildungsstart 2027: Die Bewerbersaison läuft jetzt.

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Auswahlverfahren für Azubis: Telefon, Gespräch, Probetag, Zusage

Sie haben keine Zeit, jeden Bewerber anzurufen? Wir prüfen jeden Bewerber nach Ihren Kriterien vor. Sie sprechen nur noch mit den passenden.

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Auszubildende mit Schutzbrille schleift in der Werkstatt ein Metallteil, eine Kollegin schaut zu
Für Ausbildungsbetriebe der Industrie: Werkstatt, Labor, Lager, Büro und IT

Kurz gesagt: Ein Auswahlverfahren für Azubis braucht vier Schritte: ein Kurzgespräch am Telefon, ein strukturiertes Vorstellungsgespräch mit festen Fragen und Bewertungsbogen, einen Probetag in der Werkstatt und eine schnelle Zusage. Strukturierte Interviews sagen Berufsleistung besser vorher als jedes andere gängige Verfahren (Sackett u. a. 2022), Schulnoten und ein kurzer Test sagen den Prüfungserfolg in der Ausbildung mit vorher (BIBB).

Von Oliver Höller

Gelernter Zerspanungsmechaniker · Recruiting für die Industrie seit 2020

Zuletzt geprüft: · Lesezeit 13 Minuten

Fragen? 02266 4408447

Das Wichtigste in Kürze

  • Strukturierte Interviews (gleiche Fragen, gleicher Bogen) sagen Leistung mit .42 vorher, freie Gespräche nur mit .19 (Sackett u. a. 2022).
  • Fragen Sie nach Situationen, die der Bewerber erlebt hat, und bewerten Sie alle mit demselben Bogen.
  • Schulnoten zählen: Die Durchschnittsnote erklärte knapp 18 % der Unterschiede in der Zwischenprüfungsnote, ein Eignungstest weitere 6 % (BIBB).
  • Laden Sie bei Minderjährigen die Eltern ein. Sie reden bei der Entscheidung mit und unterschreiben den Vertrag.
  • Keine Fragen nach Herkunft, Religion, Schwangerschaft oder Familienplanung: Das AGG gilt auch für Azubis.

Der Ablauf in vier Schritten

Schritt Wann Dauer Ziel
1. Kurzgespräch am Telefon innerhalb von 2 Werktagen nach der Bewerbung 10 Minuten Passt der Beruf? Kommt der Bewerber zum Betrieb? Will er wirklich?
2. Vorstellungsgespräch in der Woche danach 30–45 Minuten Interesse, Sorgfalt, Umgang mit Problemen
3. Probetag ein bis zwei Wochen danach 4–6 Stunden Wie arbeitet er mit den Händen und mit Ihren Leuten?
4. Zusage oder Absage innerhalb einer Woche nach dem Probetag Anruf, dann Vertrag Bewerber binden, bevor ein anderer Betrieb zusagt

Unsere Empfehlung: Vom Eingang der Bewerbung bis zur Zusage nicht mehr als drei bis vier Wochen. Bewerber schreiben parallel an mehrere Betriebe, und jede Woche Wartezeit gibt einem anderen Betrieb die Chance, zuerst zuzusagen. Die Zeitangaben in der Tabelle sind unsere Empfehlung, keine Vorschrift.

Was die Forschung über Auswahlverfahren sagt

Zwei Befunde tragen die Empfehlungen in diesem Artikel.

1. Feste Fragen schlagen freies Plaudern. Die aktuelle Neuberechnung der Forschung zur Personalauswahl stammt von Sackett, Zhang, Berry und Lievens (2022). Sie haben die bekannten Metaanalysen von Schmidt und Hunter (1998) neu gerechnet. Der Wert gibt an, wie gut ein Verfahren die spätere Leistung im Beruf vorhersagt (0 = gar nicht, 1 = perfekt):

Verfahren Vorhersagekraft (Sackett u. a. 2022) zum Vergleich Schmidt & Hunter 1998
Strukturiertes Interview (feste Fragen, fester Bogen) .42 .51
Fachwissenstest .40 .48
Arbeitsprobe .33 .54
Test der allgemeinen geistigen Leistungsfähigkeit .31 .51
Unstrukturiertes Interview (freies Gespräch) .19 .38
Berufserfahrung in Jahren .07 .18

Die Studien betreffen Berufstätige, nicht Schulabgänger. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass Arbeitsproben und Fachwissenstests Vorkenntnisse voraussetzen, die Bewerber um einen Ausbildungsplatz nicht haben. Für Sie heißt das: Das Vorstellungsgespräch ist Ihr wichtigstes Werkzeug, aber nur mit festen Fragen und Bewertungsbogen. Ein Probetag ist für Schüler keine Arbeitsprobe im Sinne der Studien; er zeigt Umgang mit Anweisungen und Team.

2. Schulnoten sagen den Prüfungserfolg mit vorher. Für Azubis hat das BIBB Daten aus rund 40 Unternehmen mit über 1.000 Azubis aus kaufmännischen und gewerblich-technischen Berufen ausgewertet (Schnitzler/Velten 2011). Die Durchschnittsnote des Schulabschlusses erklärte knapp 18 % der Unterschiede in der Zwischenprüfungsnote. Ein Eignungstest erklärte zusätzlich 6 %. Die Noten sind also nicht wertlos, sie erklären aber den kleineren Teil. Betriebe bewerten außerdem Arbeits- und Sozialverhalten und unentschuldigte Fehltage im Zeugnis, auch wenn sie dringend suchen (BIBB REPORT 2/2017, über 500 Betriebe, knapp 3.000 fiktive Bewerberprofile).

Daraus folgt das Verfahren unten: Zeugnis lesen, ohne allein danach auszusortieren, kurz rechnen lassen, strukturiert fragen, Probetag für das Miteinander.

Schritt 1: Die Vorauswahl am Telefon

Unsere Empfehlung: Rufen Sie an, statt auf das Anschreiben zu achten. Eine Studie, dass Anschreiben den Ausbildungserfolg vorhersagen, ist uns nicht bekannt. Zehn Minuten am Telefon zeigen, ob er zurückruft, ob er weiß, wofür er sich beworben hat, und ob er zum Betrieb kommt.

Fragen Sie fünf Dinge:

  1. „Warum hast du dich als Industriemechaniker beworben? Was stellst du dir darunter vor?“
  2. „Wie würdest du morgens zu uns kommen?“ Klären Sie den Weg früh, denn ohne Führerschein hängt im ländlichen Raum alles an Bus oder Fahrgemeinschaft.
  3. „Wann machst du deinen Abschluss, und welchen?“
  4. „Hast du schon ein Praktikum gemacht? Wo?“
  5. „Wann hättest du Zeit für ein Gespräch und einen Probetag?“

Wer am Telefon nicht erklären kann, warum er diesen Beruf will, bekommt trotzdem eine Chance, wenn der Rest stimmt. Viele Schüler kennen die Berufsbezeichnungen nicht. Erklären Sie in zwei Sätzen, was er bei Ihnen tun würde, und fragen Sie, ob er das will.

Diese Vorauswahl übernehmen wir für Betriebe, die mit uns suchen: Wir prüfen jeden Bewerber vor, digital und am Telefon, und geben nur die weiter, die zu Ihren Kriterien, Beruf und Standort passen.

Schritt 2: Das Vorstellungsgespräch und seine Fragen

Wer sitzt am Tisch: der Ausbilder und, wenn möglich, ein Azubi aus dem zweiten oder dritten Lehrjahr. Bewerber fragen den Azubi, was sie den Ausbilder nicht fragen. Und Ihr Azubi sieht, ob der Neue ins Team passt.

Wie lange: 30 bis 45 Minuten. Zehn Minuten stellen Sie den Betrieb und die Ausbildung vor, zwanzig Minuten fragen Sie, zehn Minuten fragt der Bewerber.

Strukturiert heißt: Jeder Bewerber bekommt dieselben Fragen in derselben Reihenfolge, und Sie bewerten jede Antwort direkt mit demselben Bogen. Das ist der Unterschied zwischen .42 und .19 in der Tabelle oben. Fragen Sie nach Erlebtem: „Bist du teamfähig?“ beantwortet jeder mit Ja. „Erzähl von einem Mal, als …“ zeigt, was jemand getan hat.

Vorher das Zeugnis lesen. Achten Sie neben Mathe und Deutsch auf unentschuldigte Fehltage und, wo es sie gibt, auf die Noten für Arbeits- und Sozialverhalten. Genau darauf schauen Betriebe laut BIBB auch dann, wenn sie dringend suchen. Fragen Sie im Gespräch nach, statt allein danach auszusortieren.

Frage Was die Antwort zeigt
Was hast du zuletzt selbst repariert, gebaut oder auseinandergenommen? technisches Interesse jenseits der Schule
Was war in deinem Praktikum das Schwierigste, und wie bist du damit umgegangen? Umgang mit Problemen, Ehrlichkeit
Was machst du, wenn dir jemand eine Aufgabe erklärt und du sie nicht verstanden hast? ob er nachfragt oder rät
Erzähl von einem Mal, als du etwas fertig machen musstest, obwohl du keine Lust hattest. Durchhaltevermögen
Wie ist dein Zeugnis in Mathe zustande gekommen? Was lief gut, was nicht? wie er sich selbst einschätzt
Was machst du nach der Schule, am Wochenende? Verein, Nebenjob, Verantwortung
Wer hilft dir bei der Entscheidung für einen Ausbildungsplatz? wer mitentscheidet, meist die Eltern
Wo hast du dich sonst noch beworben? wie viel Zeit Sie für die Zusage haben
Was willst du in drei Jahren können? Ziel, Interesse an Übernahme

Dazu fünf Rechenaufgaben auf Papier, zehn Minuten, ohne Taschenrechner: ein Dreisatz, eine Prozentrechnung, Millimeter in Meter, eine Fläche, ein Bruch. Unsere Empfehlung als Ersatz für einen langen Test, weil Rechnen in Metall- und Elektroberufen ab dem ersten Lehrjahr gebraucht wird und ein Test in der BIBB-Auswertung über die Schulnote hinaus etwas vorhersagte.

Bewerten. Nutzen Sie für alle Bewerber denselben Bogen mit vier oder fünf Kriterien und Punkten von 1 bis 3, etwa Interesse am Beruf, Sorgfalt, Kommunikation, Rechnen, Zuverlässigkeit. Schreiben Sie zu jedem Kriterium auf, was 1 und was 3 bedeutet. Beispiel Sorgfalt: 1 = „kann kein Beispiel nennen“, 3 = „erzählt, wie er eine Arbeit kontrolliert und einen Fehler selbst gefunden hat“. Füllen Sie den Bogen direkt nach dem Gespräch aus, jeder am Tisch für sich, und vergleichen Sie erst danach. So vergleichen Sie Bewerber, die drei Wochen auseinanderliegen, und können eine Absage sachlich begründen.

Was Bewerber fragen werden und worauf Sie eine konkrete Antwort haben sollten: Was verdiene ich? Wer ist mein Ausbilder? Werde ich übernommen? Wie werde ich auf die Prüfung vorbereitet? Wie komme ich zur Berufsschule?

Eltern im Gespräch

Bei Minderjährigen unterschreiben die Eltern den Ausbildungsvertrag. 91 % der Schüler nennen ihre Eltern als wichtige Unterstützer bei der Berufsorientierung (Bertelsmann Stiftung, Ausbildungsperspektiven 2026). Unsere Empfehlung: Laden Sie sie zum Gespräch oder spätestens zum Ende des Probetags ein.

  • Geben Sie ihnen fünf Minuten für sich. Eltern fragen nach Sicherheit, Übernahme, Arbeitszeiten und Prüfungsvorbereitung.
  • Sprechen Sie im Gespräch den Bewerber an, nicht die Eltern. Er soll merken, dass es um ihn geht.
  • Geben Sie einen Ansprechpartner mit Telefonnummer mit, damit Eltern Fragen klären können, bevor ihr Kind unterschreibt.

Schritt 3: Der Probetag

Der Probetag zeigt, was weder Zeugnis noch Gespräch zeigt. Planen Sie ihn so, dass Ihr Ausbilder Zeit hat und der Bewerber etwas mit den Händen tut.

Ablauf, Beispiel Metall: Sicherheitsunterweisung, Rundgang mit einem Azubi, eine kleine Aufgabe an der Werkbank (anreißen, feilen, mit dem Messschieber prüfen), Pause mit den Azubis, kurzes Gespräch zum Abschluss. In der Elektrotechnik eignet sich eine einfache Schaltung auf dem Steckbrett, im Lager das Prüfen und Einlagern einer Lieferung.

Worauf Sie achten:

  • Hört er bei der Erklärung zu, und fragt er nach, wenn er etwas nicht versteht?
  • Arbeitet er sorgfältig, oder will er nur schnell fertig werden?
  • Wie geht er mit einem Fehler um?
  • Wie redet er mit Ihren Azubis in der Pause? Fragen Sie die Azubis hinterher nach ihrem Eindruck.

Rechtlich:

  • Vergütung: Ein Praktikum von bis zu drei Monaten zur Orientierung für eine Berufsausbildung fällt nicht unter das Mindestlohngesetz (§ 22 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 MiLoG). Ein Kennenlerntag ohne Arbeitspflicht muss deshalb nicht bezahlt werden.
  • Schüler: Wer noch vollzeitschulpflichtig ist, gilt im Jugendarbeitsschutzgesetz als Kind (§ 2 Abs. 3 JArbSchG). Beschäftigen dürfen Sie ihn dann nur in engen Ausnahmen, etwa im Betriebspraktikum während der Vollzeitschulpflicht (§ 5 Abs. 2 JArbSchG). Unsere Empfehlung: Laden Sie Schüler über die Schule zum Praktikum ein oder machen Sie den Tag zu einem Kennenlernen mit Zuschauen und kleinen Übungen.
  • Versicherung und Eltern: Klären Sie vorab mit Ihrer Berufsgenossenschaft, wie der Bewerber an diesem Tag versichert ist, und lassen Sie bei Minderjährigen die Eltern schriftlich zustimmen.

Einstellungstest: ja oder nein?

Ein Test hat einen belegten Nutzen: In der BIBB-Auswertung erklärte er zusätzlich zur Schulnote weitere 6 % der Unterschiede in der Zwischenprüfungsnote. Ob er einen langen schriftlichen Termin rechtfertigt, hängt von Ihrer Bewerberzahl ab.

Ihre Lage Unsere Empfehlung
Mehr geeignete Bewerber, als Sie zum Gespräch einladen können Kurzer Test vor dem Gespräch, 20–30 Minuten, am Handy oder vor Ort
Wenige Bewerber Kein separater Test. Fünf Rechenaufgaben im Gespräch reichen.
Beruf mit viel Rechnen (Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker, Elektroniker) Rechenaufgaben immer, als Test oder im Gespräch
Bewerber mit schwachem Zeugnis, der im Gespräch überzeugt Probetag statt Test

Unsere Empfehlung: Sagen Sie nicht allein wegen eines schwachen Tests ab, denn Test und Note erklären zusammen nur rund ein Viertel der Unterschiede im Prüfungsergebnis (BIBB). Schwächen in Mathe lassen sich in der Ausbildung aufholen, etwa mit Förderunterricht der Assistierten Ausbildung, der für Ihren Betrieb kostenlos ist. Mehr dazu in Förderung der Ausbildung.

Schritt 4: Schnell zusagen, sauber absagen

Zusage. Rufen Sie an, unsere Empfehlung: innerhalb einer Woche nach dem Probetag. Sagen Sie, wann der Vertrag kommt, und schicken Sie ihn in den nächsten Tagen. Der wesentliche Vertragsinhalt muss vor Ausbildungsbeginn in Textform vorliegen (§ 11 BBiG), bei Minderjährigen unterschreiben die Eltern mit. Wer noch nicht 18 ist, braucht vor dem ersten Tag eine ärztliche Erstuntersuchung (§ 32 JArbSchG).

Zwischen Zusage und Start. Zwischen Vertrag und erstem Tag liegen oft Monate, und in dieser Zeit kann ein Azubi einen anderen Platz annehmen. Bleiben Sie in Kontakt: Einladung zum Sommerfest, ein Anruf im Frühjahr, Arbeitskleidung zum Anprobieren. Mehr dazu in Azubis einstellen.

Absage. Sagen Sie innerhalb einer Woche ab, freundlich und ohne lange Begründung. Wer knapp gescheitert ist, bekommt den Hinweis, dass er sich im nächsten Jahr wieder bewerben kann, oder ein Praktikumsangebot. Bewahren Sie Ihren Bewertungsbogen auf, bis die Fristen für eine AGG-Klage abgelaufen sind: Ein abgelehnter Bewerber muss Ansprüche innerhalb von zwei Monaten nach Zugang der Absage schriftlich geltend machen (§ 15 Abs. 4 AGG) und innerhalb von drei Monaten danach klagen (§ 61b Abs. 1 ArbGG). Löschen Sie die Unterlagen danach; die genaue Frist für Ihren Betrieb legt Ihr Datenschutzbeauftragter fest.

AGG-Fallen im Auswahlverfahren

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gilt auch für Bewerber um einen Ausbildungsplatz. Benachteiligt werden darf niemand wegen ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter oder sexueller Identität (§ 1 AGG). Das betrifft Anzeige, Gespräch und Absage.

Falle Besser
„Wir suchen junge Leute“ oder „Schulabgänger“ in der Anzeige „Wir suchen Azubis für den Ausbildungsstart im August“
„Woher kommen deine Eltern?“ „Welche Sprachen sprichst du?“, wenn es für den Beruf eine Rolle spielt
„Hast du vor, bald Kinder zu bekommen?“ gar nicht fragen
„Bist du gesund?“ nach Fähigkeiten fragen, die der Beruf zwingend braucht, etwa Farbsehen bei Elektronikern
Absage mit „Sie passen nicht ins junge Team“ Absage ohne Begründung oder mit einem sachlichen Grund aus dem Bewertungsbogen

Wer gegen das Benachteiligungsverbot verstößt, muss mit einer Entschädigung rechnen (§ 15 AGG). Für Bewerber, die auch ohne Benachteiligung nicht eingestellt worden wären, sind das bis zu drei Monatsvergütungen. Bewerber müssen den Anspruch innerhalb von zwei Monaten schriftlich geltend machen.

Die häufigsten Fehler

  1. Zwei Wochen bis zum ersten Anruf. In der Zeit kann ein anderer Betrieb schon zum Gespräch eingeladen haben.
  2. Nur nach Noten vorsortieren. Die Schulnote erklärt einen Teil des späteren Prüfungsergebnisses, aber den kleineren (BIBB). Wer allein danach aussortiert, verliert Bewerber, die im Gespräch und am Probetag überzeugen würden.
  3. Gespräch ohne feste Fragen. Freie Gespräche sagen Leistung deutlich schlechter vorher als strukturierte (.19 gegen .42, Sackett u. a. 2022).
  4. Das Gespräch führt allein der Chef. Ihr Ausbilder arbeitet drei Jahre mit dem Azubi, er gehört an den Tisch.
  5. Kein Probetag. Wer nur geredet hat, erlebt am ersten Tag Überraschungen, auf beiden Seiten.
  6. Bewerber warten lassen, weil noch andere kommen. Sagen Sie dem Bewerber, bis wann Sie entscheiden, und halten Sie das ein.
  7. Eltern übergangen. Bei Minderjährigen unterschreiben sie den Vertrag mit.

Häufige Fragen

Wie läuft ein Auswahlverfahren für Azubis ab?

In vier Schritten: Kurzgespräch am Telefon, strukturiertes Vorstellungsgespräch mit festen Fragen und Bewertungsbogen, Probetag im Betrieb, Zusage. Unsere Empfehlung ist, das in drei bis vier Wochen abzuschließen, weil Bewerber sich parallel bei anderen Betrieben bewerben. Ein kurzer Rechentest gehört dazu; ein langer schriftlicher Test lohnt sich vor allem bei vielen Bewerbern.

Welche Fragen stelle ich im Vorstellungsgespräch mit einem Azubi?

Fragen nach Situationen, die der Bewerber erlebt hat: Was hast du zuletzt repariert oder gebaut? Was war im Praktikum schwierig? Was machst du, wenn du eine Anweisung nicht verstehst? Die Antworten zeigen Interesse, Sorgfalt und wie jemand mit Problemen umgeht. Fragen nach Stärken und Schwächen bringen auswendig gelernte Antworten.

Brauche ich einen Einstellungstest für Azubis?

Ein kurzer Test lohnt sich: In einer BIBB-Auswertung mit über 1.000 Azubis aus rund 40 Unternehmen erklärte ein Eignungstest zusätzlich zur Schulnote weitere 6 % der Unterschiede in der Zwischenprüfungsnote. Bei wenigen Bewerbern genügen zehn Minuten Rechenaufgaben im Gespräch. Einen langen schriftlichen Test vor dem Gespräch empfehlen wir nur, wenn Sie mehr Bewerber haben, als Sie einladen können.

Darf ich Bewerber zum Probearbeiten einladen?

Ja, als Kennenlernen ohne Arbeitspflicht. Ein Praktikum bis zu drei Monaten zur Orientierung für eine Berufsausbildung fällt nicht unter den Mindestlohn (§ 22 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 MiLoG). Wer noch vollzeitschulpflichtig ist, gilt im Jugendarbeitsschutzgesetz als Kind (§ 2 Abs. 3 JArbSchG); für Schüler organisieren Sie den Tag deshalb am sichersten als Schülerbetriebspraktikum über die Schule. Klären Sie den Versicherungsschutz vorab mit Ihrer Berufsgenossenschaft.

Welche Fragen sind im Vorstellungsgespräch verboten?

Fragen nach Herkunft, Religion, Weltanschauung, sexueller Identität, Schwangerschaft, Familienplanung und Behinderung, soweit sie nichts mit dem Beruf zu tun haben (§ 1 AGG). Zulässig sind Fragen nach Fähigkeiten, die der Beruf zwingend verlangt. Wer gegen das AGG verstößt, riskiert eine Entschädigung (§ 15 AGG).

Wie schnell sollte ich einem Azubi zusagen?

Unsere Empfehlung: innerhalb einer Woche nach dem letzten Gespräch oder Probetag, weil Bewerber sich parallel bewerben und die erste feste Zusage oft annehmen. Rufen Sie an, statt eine E-Mail zu schreiben, und schicken Sie den Vertrag direkt danach. Der wesentliche Vertragsinhalt muss vor Ausbildungsbeginn in Textform vorliegen (§ 11 BBiG).

Oliver Höller, Gelernter Zerspanungsmechaniker · Geschäftsführer der evocontec GmbH

Über den Autor

Oliver HöllerGelernter Zerspanungsmechaniker · Geschäftsführer der evocontec GmbH

Oliver Höller hat Zerspanungsmechaniker gelernt und fünf Jahre in Produktion und Qualitätssicherung gearbeitet. Seit 2020 gewinnt er mit seinem Team Fachkräfte und Auszubildende für Industriebetriebe; mit der evocontec GmbH hat er über 180 Industrieunternehmen bei der Besetzung von Stellen unterstützt.

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Verwandte Fragen

Quellen

Alle aufgerufen am 27. Oktober 2026.

  1. Sackett, Zhang, Berry, Lievens: Revisiting meta-analytic estimates of validity in personnel selection. Journal of Applied Psychology 107 (11), 2022, 2040–2068
  2. Sackett, Zhang, Berry, Lievens: Revisiting the design of selection systems in light of new findings regarding the validity of widely used predictors. Industrial and Organizational Psychology 16, 2023, 283–300 (Tabelle 1 mit Vergleich zu Schmidt & Hunter 1998)
  3. BIBB, Schnitzler/Velten: Eignungstests und Ausbildungserfolg, Abschlussbericht Entwicklungsprojekt 2.2.303, 2011
  4. BIBB, Pressemitteilung 38/2017: Wichtig sind Schulnoten, Arbeits- und Sozialverhalten (BIBB REPORT 2/2017), 19.10.2017
  5. Bertelsmann Stiftung, Ausbildungsperspektiven 2026 (Johanning, Renk, Schaffer)
  6. Mindestlohngesetz, § 22
  7. Arbeitsgerichtsgesetz, § 61b
  8. Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), §§ 1, 7, 11, 15
  9. Berufsbildungsgesetz (BBiG), §§ 10, 11, 20
  10. Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG), §§ 2, 5, 32

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