Welche Kosten beim Azubi-Recruiting anfallen
Jedes Angebot setzt sich aus denselben fünf Bausteinen zusammen. Wer sie kennt, kann Angebote nebeneinanderlegen, auch wenn jeder Anbieter sie anders verpackt.
| Kostenart | Was dahinter steckt | Wann sie anfällt |
|---|---|---|
| Einrichtung | Anzeigentexte, Bilder oder Video, Bewerbungsformular, Zielgruppe einstellen | einmal je Kampagne oder Saison |
| Anzeigenbudget | Geld, das an Meta, Google oder ein Portal fließt, damit die Anzeige gesehen wird | laufend, je Tag, Woche oder Laufzeit |
| Betreuung | Anzeigen steuern, Bewerber anrufen, vorprüfen, Termine abstimmen | monatlich oder in einer Pauschale |
| Erfolgsabhängige Vergütung | Provision oder Pauschale, wenn ein Vertrag zustande kommt | erst bei Vertragsschluss |
| Ihre interne Zeit | Bewerbungen sichten, nachtelefonieren, Gespräche, Probetage, Absagen | bei jedem Weg, auch bei kostenlosen |
Die letzte Zeile taucht in keinem Angebot auf, kostet aber Geld. Einen Anhaltspunkt liefert die Kosten-Nutzen-Erhebung des BIBB: Für das Bewerbungsverfahren einer neu eingestellten Fachkraft gaben Betriebe 2022/2023 im Schnitt 1.577 Euro aus. Davon entfielen 656 Euro auf Inserate, 507 Euro auf Personalkosten für das Auswahlverfahren und 414 Euro auf externe Berater (BIBB Report 2/2025, Tabelle 3). Eine eigene Zahl für die Suche nach Azubis weist der Bericht nicht aus.
Die vier Wege im Vergleich
| Weg | Was Sie bezahlen | Was Sie selbst tun | Passt, wenn … |
|---|---|---|---|
| Selbst suchen (Arbeitsagentur, IHK-Börse, Karriereseite, Schulen) | keine Gebühren, nur Ihre Zeit | alles: Texte, Pflege, Rückrufe, Auswahl | sich bisher genug Schüler von selbst melden |
| Ausbildungsportal | Paketpreis je Anzeige und Laufzeit | Anzeige pflegen, Bewerbungen sichten und beantworten | Ihr Beruf gesucht wird und Sie schnell antworten können |
| Agentur mit Kampagne | Einrichtung, Anzeigenbudget, Betreuung, teils Erfolgsanteil | Gespräche führen, Probetag, Entscheidung | zu wenige Bewerbungen kommen und niemand Zeit für die Suche hat |
| Personalvermittlung | Vergütung bei Vertragsschluss | Gespräche, Entscheidung | Sie einzelne Plätze besetzen und nur bei Erfolg zahlen wollen |
Kostenlose Wege: Die Arbeitsagentur unterstützt Betriebe kostenlos bei der Suche nach Auszubildenden, von der Veröffentlichung bis zur Vermittlung (Agentur für Arbeit Gießen, 2025). Die Lehrstellenbörse der IHKs in NRW ist für Ausbildungsbetriebe der IHK Aachen kostenlos. Ob das für Ihre Kammer gilt, erfahren Sie bei Ihrer IHK.
Portale: Viele Portale nennen ihre Preise offen. AUBI-plus etwa listet das Paket BASIS mit 470 Euro netto für zwölf Monate. Das Paket PRO kostet regulär 980 Euro netto je Anzeige (Website, abgerufen am 27.10.2026). Sie zahlen damit für Sichtbarkeit bei Jugendlichen, die gerade aktiv suchen. Wer noch nicht sucht, öffnet das Portal nicht und sieht die Anzeige deshalb auch nicht.
Agenturen: Preise sind selten öffentlich. Achten Sie darauf, ob die Agentur nur Anzeigen schaltet oder auch jeden Bewerber anruft. Im ersten Fall bleiben Sichtung und Telefonate bei Ihnen.
Personalvermittlung: Lassen Sie sich die Berechnung der Vergütung schriftlich geben. Ist sie als Anteil am Jahresentgelt vereinbart, fragen Sie, worauf sich der Anteil bei einem Azubi bezieht: auf die Ausbildungsvergütung oder auf ein angenommenes Fachkräftegehalt. Und fragen Sie, was gilt, wenn der Azubi in der Probezeit geht.
So rechnen Sie Kosten je Bewerbung und je besetztem Platz
Nehmen Sie den letzten Ausbildungsjahrgang und rechnen Sie je Weg in vier Schritten:
- Gesamtkosten = externe Ausgaben + interne Stunden × Stundensatz. Als Stundensatz nehmen Sie, was die Stunde Ihres Ausbilders oder Ihrer Personalerin den Betrieb kostet.
- Kosten je Bewerbung = Gesamtkosten ÷ alle Bewerbungen über diesen Weg.
- Kosten je passender Bewerbung = Gesamtkosten ÷ Bewerbungen, die Sie zum Gespräch einladen würden.
- Kosten je besetztem Platz (Cost per Hire) = Gesamtkosten ÷ Azubis, die am ersten Ausbildungstag erscheinen.
Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Ein Betrieb schaltet ein Portal für 600 Euro und bekommt 20 Bewerbungen. Die Sichtung kostet je Bewerbung 10 Minuten, zusammen gut 3 Stunden. Acht Bewerber werden angerufen, je 15 Minuten, also 2 Stunden. Vier Gespräche mit je zwei Personen und einer Stunde ergeben 8 Stunden. Zwei Probetage mit je 4 Stunden Betreuung ergeben 8 Stunden. Zusammen sind das rund 21 Stunden.
Bei 50 Euro je Stunde kostet die interne Zeit 1.050 Euro, also mehr als das Portal. Die Gesamtkosten liegen bei 1.650 Euro. Je Bewerbung sind das 83 Euro, je passender Bewerbung (vier Einladungen) 413 Euro. Tritt ein Azubi an, kostet der Platz 1.650 Euro.
Drei Regeln für die Auswertung:
- Wenn ein Weg viele Bewerbungen bringt, aber kaum passende, sind seine Kosten je Bewerbung niedrig und seine Kosten je Einstellung hoch. Zählen Sie nur die passenden.
- Wenn Sie Bewerber erst nach einer Woche anrufen, riskieren Sie, dass ein Teil inzwischen woanders zugesagt hat, und haben für diese Bewerbungen umsonst bezahlt. Dann senkt schnelleres Telefonieren Ihre Kosten mehr als ein günstigeres Portal.
- Wenn ein Azubi in der Probezeit geht, fallen die Kosten der Suche ein zweites Mal an. Rechnen Sie Abbrüche deshalb in die Kosten je besetztem Platz ein.
Was ein besetzter Ausbildungsplatz wert ist
Kosten allein sagen wenig. Sie brauchen einen Maßstab, gegen den Sie sie halten.
Die Fachkraft, die Sie sonst von außen holen. Eine Fachkraft vom Arbeitsmarkt zu gewinnen kostete Betriebe im Ausbildungsjahr 2022/2023 im Schnitt 13.689 Euro. Darin stecken das Bewerbungsverfahren, Weiterbildung und Training in der Einarbeitung sowie die geringere Leistung in den ersten Monaten. Bei der Hälfte der Betriebe lagen diese Kosten unter 5.700 Euro (BIBB Report 2/2025).
Die Arbeit, die Ihr Azubi schon leistet. Ein Azubi kostete im selben Jahr im Schnitt 26.210 Euro je Ausbildungsjahr. Durch seine Mitarbeit deckte er 69 Prozent davon, also 18.124 Euro (BIBB Report 2/2025). Bleibt ein Platz leer, fehlt diese Arbeit, und in drei Jahren fehlt die Fachkraft.
Das Risiko eines Abbruchs. 2024 wurden beim Industriemechaniker 16,2 Prozent der Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst, beim Mechatroniker 14,2 Prozent und beim Elektroniker für Betriebstechnik 18,4 Prozent (KOFA Kompakt 2/2026). Jeder gelöste Vertrag bedeutet eine neue Suche.
Ein Weg, der mehr kostet, aber Bewerber bringt, die bleiben, ist günstiger als ein billiger Weg, nach dem Sie im nächsten Jahr wieder suchen.
Sieben Fragen an jeden Anbieter
- Ist das Anzeigenbudget im Preis enthalten, oder kommt es dazu? Wie hoch ist es, und wer legt es fest?
- Wer ruft die Bewerber an, und wie schnell nach dem Eingang?
- Was bekomme ich, wenn sich in der Laufzeit niemand Passendes bewirbt?
- Wie lange läuft der Vertrag, und verlängert er sich von selbst?
- Was gilt, wenn der Azubi vor dem Start absagt oder in der Probezeit geht?
- Gehören Anzeigentexte, Bilder und Bewerberdaten nach dem Ende mir?
- Für wie viele Betriebe in meiner Region sucht der Anbieter gleichzeitig dieselben Berufe?
Jede Antwort gehört ins schriftliche Angebot. Was dort nicht steht, gilt im Streitfall nicht.
Warum auf dieser Seite keine Preise von uns stehen
Was ein Ausbildungsplatz kostet, hängt von Beruf, Zahl der Plätze, Region und Ausbildungsstart ab. Ein Industriemechaniker im Ballungsraum ist anders zu finden als eine Fachkraft für Lagerlogistik auf dem Land. Eine Zahl auf der Website wäre deshalb für die meisten Betriebe falsch.
Häufige Fragen
Was kostet Azubi-Recruiting?
Das hängt von Weg, Berufen, Zahl der Plätze und Region ab. Zu den externen Kosten (Portal, Anzeigenbudget, Agentur, Provision) kommt immer Ihre interne Zeit für Sichtung, Telefonate, Gespräche und Probetage. Rechnen Sie beides zusammen und teilen Sie durch die Zahl der Azubis, die am ersten Tag erscheinen.
Was kostet eine Recruiting-Agentur für Azubis?
Agenturen rechnen meist mit drei Bausteinen ab: Einrichtung der Kampagne, Anzeigenbudget und Betreuung, teils als Paket, teils einzeln. Manche verlangen zusätzlich oder stattdessen eine Vergütung bei Vertragsschluss. Lassen Sie sich jeden Baustein schriftlich nennen und fragen Sie, ob das Anzeigenbudget enthalten ist.
Was bedeutet Cost per Hire?
Cost per Hire sind die Kosten je Einstellung: alle externen Ausgaben einer Suche plus die bewertete interne Arbeitszeit, geteilt durch die Zahl der eingestellten Personen. Bei Azubis zählen Sie besser nur die, die am ersten Ausbildungstag auch erscheinen.
Wie rechne ich die Kosten pro Bewerbung?
Teilen Sie die Gesamtkosten eines Weges durch die Zahl der Bewerbungen, die über ihn kamen. Aussagekräftiger ist die Rechnung je passender Bewerbung, also nur die Bewerber, die Sie zum Gespräch einladen würden. Viele billige, aber unpassende Bewerbungen kosten Sie Sichtungszeit.
Ist die Arbeitsagentur für Betriebe kostenlos?
Ja. Die Arbeitsagentur unterstützt Betriebe kostenlos bei der Suche nach Auszubildenden, von der Veröffentlichung der Stelle bis zur Vermittlung. Freie Ausbildungsplätze melden Sie online oder über den Arbeitgeber-Service. Kosten entstehen nur durch Ihre eigene Arbeitszeit.
Lohnt sich eine Agentur für einen kleinen Betrieb?
Wenn über kostenlose Wege und Portale kaum passende Bewerbungen kommen und niemand im Betrieb Zeit hat, Bewerber schnell anzurufen, oft ja. Rechnen Sie dazu Ihre Kosten je besetztem Platz aus dem letzten Jahrgang und stellen Sie sie dem Angebot gegenüber.

Über den Autor
Oliver HöllerGelernter Zerspanungsmechaniker · Geschäftsführer der evocontec GmbH
Oliver Höller hat Zerspanungsmechaniker gelernt und fünf Jahre in Produktion und Qualitätssicherung gearbeitet. Seit 2020 gewinnt er mit seinem Team Fachkräfte und Auszubildende für Industriebetriebe; mit der evocontec GmbH hat er über 180 Industrieunternehmen bei der Besetzung von Stellen unterstützt.
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Verwandte Fragen
Quellen
Alle aufgerufen am 27. Oktober 2026.
- BIBB Report 2/2025: Eigene Ausbildung oder externe Fachkräftegewinnung – mit welchen Kosten müssen Betriebe rechnen? (Kosten-Nutzen-Erhebung 2022/2023)
- KOFA Kompakt 2/2026 „Vertragslösungen und Engpässe“
- Agentur für Arbeit Gießen, Pressemitteilung 037/2025 vom 17.03.2025
- Bundesagentur für Arbeit, Stellenangebot melden
- IHK Aachen, Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammern in NRW
- AUBI-plus, Preise für Ausbildungsbetriebe (abgerufen am 27.10.2026)
